Sonntag, 27. Mai 2018

Was für ein Mai!

Was so schön beginnt, wandelt sich in Besorgnis - in sieben Wochen regnet so gut wie gar nicht - die Wiesen sind längst vertrocknet wie sonst im Juli erst.
Auch der Mai ist viel zu warm und damit auf Rekordkurs, der wärmste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnung zu werden.
Die Wärme bringt alles gleichzeitig zum Blühen - schön anzusehen, aber welche Folgen für die Insekten wird es haben?
Bis vor einigen Tagen sind die Nächte noch kühl und alle Igelhäuser belegt; teils auch doppelt.
Zwei sehr große Stachelritter wollen partout nicht ausziehen; nicht mal, als ich sie mir vorsichtshalber anschaue und mit Flohspray behandele. ;-)
Bei einem erkenne ich eine alte Markierung : Lancelot!!!!! Der tapfere Ritter Lancelot, bei einem Kampf vor zwei Jahren durch eine Bisswunde verletzt und in Igelanien gesund gepflegt.
Stattliche 1550 Gramm bringt Lancelot auf die Waage....
Lancelot und Lenny schlafen nebeneinander....

Die kleine Lina bleibt wohnen, was auch immer geschieht.
Auch sie wird mit Jacutin eingesprüht, untersucht, mit Vetbancid gespritzt.
Sie nimmt gut zu, sieht aber immer noch so zierlich aus.
Jeden Abend, wenn ich ihr Futter hinstelle, wartet sie schon im Haus und erschrickt immer sehr, wenn sich das Dach öffnet. Sie zieht um in das Nachbarhaus, aber auch dort öffnet sich das Dach. Schließlich bleibt sie im kleinen Haus wohnen.
Dort ist der Eingang zum Schlafnest derart klein, dass keiner der großen Jungs hineinpasst; schon gar nicht, wenn sie den Zutritt fauchend verweigert. ;-)
Es ist mir unerklärlich, weshalb sie wohnen bleibt. Letztlich bin ich aber froh, dass sie immer zuerst vom Futter bekommt.
Nun - in den milden Nächten - ist sie die einzige Untermieterin. ;-)

Nachts höre ich einen Igel niesen und schnaufen. Er kommt spät, sucht nach Futter.
Ich schaue dann doch mal aus dem Fenster, leuchte mit der Taschenlampe. Sehe eine weiße Stelle am Kopf.
Was soll das sein? Ich fotografiere, schaue mir das Bild vergrößert an und erschrecke:
Aus dem linken Ohr läuft Eiter. In Massen.
Ich erspare Euch die Bilder.
Dieser Igel leidet Höllenqualen, und ich MUSS ihm helfen!
Als ich ihn hochnehme und in Küchenkrepp hülle, wehrt er sich nicht einmal mehr.
Er wimmert vor Schmerzen, als ich mir die Bescherung bei Licht anschaue. Die linke Kopfhälfte ist stark geschwollen - ein Abzess. Aber einer, der schon lange wütet; es dringen unvorstellbare Massen an Eiter aus dem vergrößerten Hörgang.
Der Eiter zerstört den Kopf bei vollem Bewusstsein; vermutlich seit Wochen schon.
NAMENLOSES GRAUEN.
Ich kann nur noch weinen, was dieses Tier für ein Martyrium erleidet.
So vorsichtig es geht, bette ich ihn in die Transportbox. Stelle Futter und Wasser dazu.
Der Igel weiß, dass er nun angekommen ist.
Er liegt nur noch da und wimmert.
Ich habe nicht mal Schmerzmittel im Haus!!!!
Am nächsten Morgen bin ich die erste beim Tierarzt, und jede Minute Wartezeit tut mir weh.
Dieses Tier kann man nur noch erlösen.
Endlich darf der Igelmann über den Regenbogen gehen.










Sonntag, 6. Mai 2018

Lina

Einen so phantastischen Mai-Beginn haben wir selten! Alles grünt und blüht zur selben Zeit und die Sonne verwöhnt uns so sehr, dass es eine Freude ist.
Alles neu macht der Mai - und so staune ich nicht schlecht über das kleine zarte Wesen, dass da plötzlich mit im Schlafhaus liegt. Ich hole umgehend Waage und Flohspray.
Niedliche 560 Gramm  bringt das kleine Mädchen auf die Waage!
Es hat weder Flöhe noch Zecken; und wie ich das Kleine so in der Hand halte, fällt mir auf, dass es an manchen Stellen wenig Stacheln hat - ein Zeichen, dass es in menschlicher Obhut überwintert haben muss.
Ein dünnes Stachelkleid bei Lina....

Igelkinder, die draußen in Freiheit überwintern, wachsen deutlich langsamer und haben daher ein deutlich dichteres Stachelkleid.
Hm. Ich kenne niemanden in der Nachbarschaft, der Igelkinder über den Winter bringt.
Woher kommt das kleine Mädchen?
Es bleibt in der Reihenhaussiedlung wohnen, hat also wie "meine" Pfleglinge auch kein Nest draußen.
Ich nenne es Lina.
Nach vier Tagen wiegt Lina schon über 600 Gramm - sehr positiv! ;-) 






Samstag, 28. April 2018

Bäumchen wechsel dich...

Sorry, dass ich so wenig poste - ich schaffe es momentan einfach nicht öfter!
Zwei Wochen später als die anderen Igelpfleglinge erwacht Lotta endlich aus dem Winterschlaf!
Mal frisst sie gut, mal frisst sie schlecht; ist aber jede Nacht in ihrem Quartier unterwegs.
Ihren Husten wird sie wohl leider nie wieder los werden - trotz mehrfacher Entwurmung gegen  Crenosoma und Capillaria, trotz Bisolvon. Das mindert ihre Chancen draußen; aber immerhin bekommt sie ihre Chance!
Mit guten 800 Gramm und einem himmelblauen Kreis auf den Stacheln darf sie hinausziehen in ihr Leben. ;-)
Bleibt zu hoffen, dass auch sie zurückkommt, wenn sie Hilfe braucht, und dass es dann noch nicht zu spät sein wird.
Apropos.
Die vier Igelhäuser sind alle belegt - und zwar täglich und oft doppelt! *lach*
Die Nächte sind immer wieder mal recht frisch; da scheint die Reihenhaussiedlung eine bequeme Alternative zum selbstgebauten Nest zu sein. ;-)
Lenny wechselt lediglich das Haus, kehrt aber jede Nacht wieder.
Lino und Levi ebenso. Auch Lana bleibt wohnen.
Dazu gesellt sich ein großer, älterer Igel, bei dem ich keine alte Markierung erkennen kann. Der Stachelgeselle ist derart groß, dass er nicht ins eigentliche Schlafnest hineinpasst - die Eingänge sind schließlich für die Kinder gemacht -  nur den Kopf zwängt er hinein; dann sehe ich ihn ja nicht mehr. *ggg*
Im kleinsten Haus, dem ehemaligen Schränkchen, treffe ich einmal drei Igel an! Da kommt mir dann aber auch ein "Duft" entgegen! ;-)

Glücklicherweise stehen die Häuser unter den üppig blühenden Fliederbüschen, so bin ich mitten drin in einer wunderbaren Flieder- Duftwolke! ;-)  
Der Igel, der drin ist im Schlafnest, mag nicht unbedingt gern Platz machen für einen weiteren Schlafgast. Da rangelt man ein wenig miteinander, aber wenn ich abends dann das Futter bringe - all inclusive - liegen sie oft friedlich schlafend nebeneinander.
So gesehen bei Lenny, zu dem sich seit kurzem Mary!!!!!!! gesellt, die dunkle Igelin vom letzten Jahr. Ihre alte Markierung ist noch gut zu erkennen.
Und dann entdecke ich ein sehr, sehr kleines und zartes Igelchen in einem der Häuser.....






Mittwoch, 25. April 2018

Der große Moment

Das Wetter bleibt ungwöhnlich mild; dieser April steuert auf einen Rekord zu - aber wann kann ich die Igel auswildern? Die Faustregel sagt: Nach den Eisheiligen im Mai. Und immer erst dann, wenn die Nachttemperaturen nicht mehr unter 8° Celsius fallen. Denn erst, wenn sich der Boden erwärmt hat, sind die "Beutetiere" der Stachelritter aktiv: Laufkäfer.
Angesichts der sommerlichen Temperaturen halte ich es für mehr als fragwürdig, die Igel bis Mitte Mai festzuhalten. Natürlich kommen sie allein zurecht, aber sie besitzen kein warmes und trockenes Nest da draußen. Wobei ich davon ausgehe, dass sie sich in einer Woche mit milden Nächten durchaus ein solches suchen und bauen können. Wenn sie denn wollen....
Also bereite ich den großen Moment vor: Pflegekinder begutachten, wiegen, markieren.
Der scheue Levi ;-)

Ich beginne mit Levi; dem Igeljungen, der irgendwo da draußen überwintert hat und seit Tagen im Futterhaus wohnt. Liegt im provisorisch gebauten Nest; direkt an der Futterquelle. ;-) Knapp 700 Gramm wiegt der Kleine. Und er bekommt zwei himmelblaue Striche auf die Stacheln gemalt.;-)
Die zarte Lana

Lana, die zarte Lana, am 6. Dezember 2017 aufgenommen; darf als erste hinaus in ihr Leben  - mit knapp 700 Gramm und einem himmelblauen Längsstrich auf den Stacheln.
Der niedlichste Igel der Welt: Lenny!

Lenny is not amused.... ;-)

Es folgt der niedlichste Igel der Welt - Lenny!  ;-) Selbst mit knapp 1000 Gramm ist er niedlich; glücklicherweise nicht mehr ganz so zutraulich. Seit 19. Oktober 2017 ist er in meiner Obhut; nun schicke ich ihn zurück in sein Leben. Mit einem himmelblauen Kreis auf den Stacheln.
Der kleine Lino ;-)

Lino in der Schüssel. ;-)


Ach, und der kleine Lino! Knapp 800 Gramm bringt er auf die Waage.... Mit einem himmelblauen Querstrich auf den Stacheln wird er in sein zweites Leben hinauslaufen.
Sein erstes kurzes Leben war schon fast beendet, als ich ihn stark unterkühlt und mehr hüben als drüben am 27. November 2017 aufnahm.
Noch kein Jahr war es so schwierig und aufwändig, die Igelkinder gesund zu pflegen.
Und es bleibt die Sorge, ob sie klar kommen werden da draußen in der harten Igelwelt.
Immerhin finde ich nicht eine Zecke bisher - ungewöhnlich, und sehr erfreulich!
Die Hinterlassenschaften sind bei Allen in gutem Zustand, wobei auch das Zaubermittelchen Bene Bac geholfen haben dürfte.
Ganz still setze ich mich in der Nacht der Nächte auf mein Höckerchen und warte, wer sich als erster hinaus traut aus der Reihenhaussiedlung.
Es ist Lenny; und lehrbuchmäßig schnüffelt er sich durch Igelanien, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Sucht einen Durchschlupf im Zaun. Probiert es hindurch, weicht zurück, wenn die Öffnung nicht groß genug ist. Findet den Durchschlupf schließlich und verschwindet hinter dem Holzstapel. Er bleibt der tollste Igel der Welt! ;-)
Lana läuft genau auf mich zu - ich bewege mich nicht - sie stoppt an meinem Schuh. Schnüffelt. Überlegt kurz. Beschließt, dass ihr die Situation suspekt ist und stürzt sich in "ihr" Haus.
Dort bleibt sie übrigens wohnen; auch ohne Zaun.
Auch die Jungs bleiben wohnen. Ein großer, magerer Stachelritter zieht mit ein.
Hotel Mama ist eben bequem. ;-)
Also gut und wichtig, die Häuser stehen zu lassen. Mindestens bis Ende Mai....

Sogar die ersten Lilien blühen schon!